Manchmal muss eine Geschichte auch erst etwas sacken, quasi im eigenen Gehirn sich setzen, um die subjektiv angehauchten Erlebnisse von den tatsächlichen Fakten zu trennen – also im Grunde eine Art emotionales spedieren. Im vorliegenden Fall möchte ich dies mit der Was-ist-wahr Geschichte verbinden. Die Ausgangsszene beider Alternativen ist gleich: 19:10 Uhr, Supermarkt Albert Heijn, irgendwo in Holland. Soeben habe ich den Zuendschluessel meines Mietwagens, übrigens einer sehr bekannten Autovermietfirma Deutschlands, mit samt meiner Einkäufe, Papiere, Laptop etc. im Kofferraum des Selbigen verschlossen. Glücklicher Weise werden heute explizite Kofferraum-Auf Buttons auf den Fernbedienungen der Zuendschluessel gebaut. Schließt man dann den Kofferraum-Deckel, ist alles wieder brav verschlossen. Und zwar richtig… ich spreche hier also von ZU!
Da fällt mir ein: Warum bekommt man eigentlich im Winter ein Cabrio als Mietfahrzeug? Anyway…
Alternative 1: Ich rufe die Mietwagenfirma an und gebe das Kennzeichen durch. Die erkennen, dass der Kofferraum des Autos nicht zu öffnen ist, lassen sofort einen Ersatzschlüssel zur nächsten Mietstation schicken, währenddessen sich diese Mietstation um alle vor-ort Unannehmlichkeiten kümmert wie Ersatzwagen für einen Tag, Sicherheit des aktuellen Autos etc. Nach 24 Stunden ist der Ersatzschlüssel da, die DHL oder UPS Rechnung wird separat an mich zugestellt und die Sache ist vergessen.
Alternative 2: Ich rufe die Mietwagenfirma an und gebe das Kennzeichen durch. Die haben Ihren Schadenservice gerade -Achtung, neudeutsch (!)- „outgesourced“ (gibt es dieses Wort?) an den ACE. Und die tun was sie immer tun, wenn es irgendwo brennt, sie schicken einen gelben Engel um die Karre aufzubrechen; und das dauert erst einmal.
Nach einer Stunde warten versichere ich mich nochmals, dass auch wirklich jemand kommt und tatsächlich, nach nur 1,5 Stunden… da isser schon! Der gelbe Engel wird allerdings gleich mal grün im Gesicht wenn er sieht, um was für ein Auto es sich handelt. Richtig, ein BMW 3-er Cabrio. Tja, die übliche „Keil in die Tür oder zwischen die Scheiben-Nummer“ funktioniert hier leider nicht. Der gelbe Engel ist aber vernetzt und ruft gleich mal in der Gelben-Engel-Zentrale bei einem „Ober-BMW-Bastel-Mega-König“ an. (Korrekter Weise muss doch ein solcher Engel dann auch im gelben Himmel anrufen, oder?) So, der Profi empfiehlt ihm dann auch gleich hinten irgendeine Lampe auszubauen, die Kabel zu finden und somit das gesamte System kurzzuschließen. Nach einer weiteren Stunde stellt mein gelber Engel dann aber fest, dass da nix geht. Keine Entscheidung also, das blaue oder das rote Kabel durchzuschneiden.
Mittlerweile werden sich auch Gruppierungen von non-natives-youngsters davon überzeugen, was da für ein Fahrzeug gerade malträtiert wird und dass es keiner aufbekommt. Vermutlich einfach, um schon mal die Abendplanung zu konkretisieren. Der letzte Tipp des gelben Engel ist dann: „Auto lieber hier nicht stehen lassen, morgen früh ist es dann geklaut oder zumindest beschädigt.
– Ehrlich, and dieser Stelle spiele ich insgeheim das Szenario durch, in welchem ich den Buben anbiete, die Karre aufzubrechen, ich nehme mein Zeugs hinten raus und die bekommen 2 Stunden Vorsprung. Diebstahl ist versichert –
Also, Prima. Ich rufe dann wieder bei der Vermieterfirma an:
„Achso, also der bekommt das Auto nicht auf… Tja, denn hilft nur noch aufbrechen.“ WIE BITTE? Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Senden die einen Pieps-Code über mein Handy und das schloss öffnet sich oder irgend so etwas. Ja, sagt die offensichtlich langsam genervte Dame, es gibt einen Zweitschlüssel, aber der Versand dauere schon innerhalb Deutschlands 2-3 Tage und ins Ausland erst… das könne sie jetzt nicht sagen.
So, jetzt werde ich also frech!
Wie wäre es denn, wenn wir das Auto einfach auf einen sicheren Parkplatz schleppen, sie mir einen Zweitwagen geben, denn ich muss übermorgen zum Flughafen, und den Schlüssel einfach hier her schicken. Nächste Woche bin ich schon wieder hier und dann nehme ich das Auto wieder mit.
So, und jetzt wird die Damen am „Service“ Telefon richtig papmig!
Das geht nämlich nicht, weil dann mein Fahrzeug führerlos (ist das eigentlich politisch korrekt, so etwas zu sagen?) ist und ich nicht einfach ein zweites Fahrzeug mieten könne. So!
Tja, und dann rufe ich noch beim BMW Auslandsservice an, die dann letztendlich, Stunden später, einen Abschleppdienst organisieren, der mich in eine BMW Werkstatt schleppt. Dort wird dann am nächsten Tag das Fahrzeug fachmännisch aufgebrochen und ich kann ihn wieder abholen. Prima. Da könnte nur ein Problem sein, der Abschleppdienst könnte Bares verlangen. Ach, und wieviel so?… Na ja, so 100 oder 150 Euro. Gut.
Nur eine Stunde später – es war mittlerweile 23:00 Uhr – kommt der Abschleppservice. Zwei Fahrzeuge! Echt, ich wette die Jungs kommen geradewegs aus dem Coffeeshop; steigen aus und wollen cash! Tja, und da genau 450 Ocken. Vorher machen sie nix, ganz und gar nix.
Ich frage die Jungs, ob sie dann im Anschluss noch im Puff übernachten wollen? Aber nein, sie wundern sich auch, aber der Cheffe hat das so angeordnet.
Holland, dafür hauen wir euch beim nächsten internationalen Fußballturnier wieder aus dem Wettbewerb! In die Hand versprochen! Singed, sealed, delivered.
An dieser Stelle werde ich mich dann bei meiner Hausbank, der DKB bedanken, die weltweit kostenloses Bargeld abheben erlaubt! Danke! So, der nächste Morgen naht und ich rufe noch mal den Autovermieter an, um den fachmännischen Autoaufbruch nochmals abzustimmen. Tja, und dann ist endlich jemand am Telefon, der nicht nur mit dem Rückenmark denken muss. Dem fällt nämlich auf, dass bei einem 3-er Cabrio die Kofferaumhaube nur über deren ZERSTÖRUNG zu öffnen ist. Toll, dann sind zumindest meine Sachen da drin sicher. Ich will das hier auch noch einmal explizit festhalten: Bei BMW Cabrio muss die Kofferraumhaube zerstört werden, wenn man den Schlüssel da drin hat liegen lassen. Es gibt keinen anderen Weg, das Auto aufzubekommen! Sagen sie zumindest. Ich frage erst gar nicht nach den Kosten. Aber der junge Mann bietet mir, doch den Zweitschlüssel nach Holland zu schicken. Kein Problem, DHL 24 Stunden Service zur nächsten Autovermieter-Station und schon ist er da. Bitte nicht das Auto aufbrechen! Ach, und warum ging das gestern noch nicht? Bietet DHL den Service erst seit 0:00 Uhr heute an oder was? Kosten 150 Öcklies. Na ja, das ist bestimmt ein Bruchteil der Kofferraumhaube. Also, herschicken! Tja, und wo bitte ist die nächste Vermieterstation? Genau, 120 Meter neben dem beschissenen Parkplatz, auf welchem ich gestern Stunden meine wertvollen Lebens ins Klo gespült habe!!
Und nun die Preisfrage? Welche der beiden Optionen wird wohl im Leben passieren? 1 oder 2? Zu gewinnen… gibt es nix, ich habe kein Geld mehr.